Die chinesische Medizin umfasst zahlreiche Therapie- und Diagnoseverfahren, wie Pflanzenheilkunde, Diätetik, Bewegungstherapie (Qi Gong, usw.), manuelle Verfahren – oder eben die Akupunktur. Und obwohl die Methode bereits seit einigen Jahrtausenden angewendet wird, haben sich die Prinzipien nicht geändert.

In der Chinesischen Medizin geht man davon aus, dass festgelegte Energiebahnen den Körper durchziehen, die sogenannten Leitbahnen oder Meridiane. In ihnen fließt eine Energie, die als Qi bzw. Lebensenergie bezeichnet wird, und die sämtliche Organe und Gewebe gesund und am Leben hält. Ohne Qi kann keine Zelle ihre Funktion ausüben, keine Drüse kann ihre Hormone ausschütten, kein Sinnesorgan kann Reize aufnehmen und weiterverarbeiten. Atmung, Herzschlag, Harnproduktion oder selbst das Denken sind vom Qi abhängig. Ohne diese universelle Lebensenergie ist der Organismus nicht lebensfähig.


Krankheiten entstehen demzufolge, wenn das Qi nicht mehr ungehindert durch den Körper fließen kann. Es kommt zu Stauungen, die mit Funktionsstörungen, strukturellen Veränderungen, Entzündungen oder Schmerzen einhergehen können. Auf den Energieleitbahnen gibt es jedoch zahlreiche Punkte, an denen man den Energiefluss regulieren kann, beispielsweise durch Drücken, Reiben, Kälte- oder Wärmereize, oder aber durch das Einstechen von Nadeln.

Im Lauf der Jahrtausende wurden immer neue Punkte entdeckt, und so hat sich ein komplexes System entwickelt, mit dem Krankheiten schnell und effektiv geheilt werden können. Dabei werden Punktkombinationen behandelt, wobei jeder ausgewählte Punkt eine bestimmte Funktion besitzt.

Das System basiert auf einer Naturphilosophie, bei der Vorgänge in der Natur übertragen werden auf Prozesse, die im Körper ablaufen. Anders als in der westlichen Medizin werden Organe bestimmten Elementen zugeordnet, beispielsweise bilden Leber und Gallenblase eine Einheit des Funktionselements “Holz”. Herz und Dünndarm wiederum ergeben eine weitere Einheit, die dem Element “Feuer” zugeordnet wird. Die Funktionen, die man den Organen dabei zuschreibt, gehen weit über das westliche Verständnis hinaus, und so gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Physiologie und Pathologie zwischen östlicher und westlicher Heilkunde.

Ausgangspunkt für die klassische Akupunktur ist die Puls- und auch Zungendiagnose. Beide Methoden sind kompliziert, selbst erfahrene Therapeuten haben oft Mühe, die feinen Nuancen der unterschiedlichen Pulsqualitäten sicher zu ertasten bzw. Veränderungen an der Zunge eindeutig zuzuordnen.

In den letzten Jahren hat sich eine moderne, wissenschaftlich orientierte Form der Akupunktur entwickelt. Die Punkte an der Körperoberfläche wurden dabei auf ihre genaue Wirkung untersucht, sodass bei zahlreichen Akupunkturpunkten eine klar umrissene Wirkung nachgewiesen werden konnte. So lassen sich Schmerzen über bestimmte Punkte ebenso wirksam behandeln werden wie Bluthochdruck, Diabetes, Schlafstörungen oder hormonelle Dysbalancen.

Bei vielen sogenannten nicht-muskuloskelettalen Beschwerden hängt die Behandlung tatsächlich von der Identifikation von Triggerpunkten ab.

Anthony Campbell (Acupuncture – The modern scientific Approach)

Bei der modernen Akupunktur wird ein besonderes Augenmerk auf Schmerzpunkte gelegt, die wiederum auf eine Störung des Energieflusses hinweisen. Ähnlich wie in der Triggerpunkt-Therapie sind diese empfindlichen Punkte oft Ausdruck einer weit entfernt liegenden Affektion. Durch Drücken der Punkte lassen sich oft Schmerzen in anderen Regionen auslösen – ein Anzeichen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Schmerzpunkt und Krankheitsgeschehen besteht. Ein Vergleich von Akupunktur- und Triggerpunkten hat weitgehende Übereinstimmungen nachgewiesen, sowohl was die Lokalisation der Punkte, als auch die Symptomatik betrifft. Somit kann die Triggerpunkt-Behandlung mit der Akupunktur bzw. Akupressur verglichen werden.

Die moderne Akupunktur kommt somit ohne den naturphilosophischen Hintergrund der klassischen Akupunkturlehre aus, sodass die Methode auch für westliche Mediziner vergleichsweise leicht anwendbar ist. Puls- und Zungendiagnose spielen nur noch eine untergeordnete Rolle, das Augenmerk bei der Untersuchung liegt im Erkennen energetischer Störungen im Sinne von Schmerzpunkten oder Gewebsveränderungen (erhöhter oder verminderter Muskeltonus, Rötungen oder Abblassungen, Aufquellungen usw.).

Die Similapunktur verbindet die moderne Form der Akupunktur mit der Homöopathie. Die nach klassisch homöopathischer Anamnese ausgewählten Arznei wird dabei an auffällige Punkte an der Körperoberfläche aufgetragen, damit sie ihre Wirkung direkt an der Stelle des Geschehens entfalten kann. Das Krankheitsbild zeigt, welches Mittel benötigt wird. Schmerzpunkte zeigen dagegen an, wo das Mittel angewendet werden soll.

Während die sogenannte Triggerpunkt-Akupunktur insbesondere bei Schmerzen und Beschwerden am Bewegungsapparat angewendet wird, kann die Similapunktur auch bei funktionellen Krankheiten hilfreich sein wie Allergien, Verdauungsbeschwerden, Hauterkrankungen, hormonellen oder sogar psychischen Störungen.

Die Similapunktur bildet damit eine sinnvolle Synthese aus altem Heilwissen und modernen Behandlungsverfahren.

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