Das Älterwerden geht mit einer fortschreitenden Abnahme der körperlichen und geistigen Funktionen einher. Auch viele Krankheiten treten bevorzugt in der späteren Lebensphase auf, wie beispielsweise Arteriosklerose, Herz-Kreislauferkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Besonders aber der Bewegungsapparat macht vielen älteren Menschen zu schaffen. So zählen chronische Gelenk- oder Rückenschmerzen, Osteoporose sowie rheumatische Erkrankungen heutzutage zu den typischen Alterserkrankungen.

Auch die sogenannte Fibromyalgie, ein Schmerzsyndrom, das auch als Muskel-Faser-Schmerz bezeichnet wird, betrifft vorwiegend Personen ab dem 50. Lebensjahr. Über die Häufigkeit der Erkrankung liegen keine eindeutigen Zahlen vor, aber man geht davon aus, dass ca. 1-5% der Bevölkerung in Deutschland darunter leiden.

Schmerz ist der Schrei des Gewebes nach fließender Energie

Warum Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer, ist bislang noch ungeklärt. Auch sonst wirft die Fibromyalgie noch viele Fragen auf. So gibt es beispielsweise über die genaue Ursache oder die Zusammenhänge der Symptomatik noch keine gesicherten Erkenntnisse. Dabei ist die Fibromyalgie keine moderne Erkrankung, vielmehr ist das Beschwerdebild schon seit längerer Zeit bekannt.

Die Betroffenen klagen zumeist über chronische Schmerzen im Bereich von Muskeln, Bindegewebe und Knochen, wodurch der Alltag oft erheblich eingeschränkt wird. Diese Schmerzen werden jedoch im Vergleich zu vielen anderen schmerzhaften Erkrankungen nicht durch Entzündungen hervorgerufen. Es wird diskutiert, ob das sogenannte Schmerzgedächtnis für die Schmerzen eine Hauptrolle spielt, allerdings gibt es noch keine eindeutigen Erkenntnisse, die diese These belegen. Typischerweise beschreiben die Patienten empfindliche Schmerzpunkte, sogenannte Tenderpoints, die bevorzugt an bestimmten Körperstellen auftreten. Diese Tenderpoints sind wiederum ein wichtiger Aspekt für die Diagnose der Fibromyalgie.

Viel mehr als bloße Schmerzen

Allerdings machen die Schmerzzustände nur einen kleinen Teil dieses komplexen Krankheitsbildes aus. Zahlreiche Nebenbeschwerden gehören ebenfalls zum klinischen Bild der Fibromyalgie, wie beispielsweise Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Mundtrockenheit, kalte Hände und Füße, vermehrtes Schwitzen oder auch Schlafstörungen. Bei Frauen, die an einer Fibromyalgie leiden, gibt es auch Anzeichen des sogenannten prämenstruellen Syndroms (PMS), einem Symptomenkomplex, der im zeitlichen Zusammenhang mit der Menopause auftritt.

Die Diagnosestellung einer Fibromyalgie ist meist sehr schwierig, da sich die Krankheit von Patient zu Patient sehr individuell äußert. Viele Betroffene haben einen langen Weg mit zahlreichen Ärzten und ebenso vielen Untersuchungen hinter sich, ehe die Krankheit erkannt wird. Bildgebende Verfahren wie beispielsweise Röntgenuntersuchungen sind zur Diagnosestellung ungeeignet, da es im Verlauf der Erkrankung nicht zu einer erkennbaren Veränderung im Bereich der Gelenke kommt. Selbst nach jahrelang anhaltenden Beschwerden bleibt das Röntgenbild bei einer Fibromyalgie unauffällig. Und da es sich auch nicht um eine Entzündung handelt, sind die Entzündungswerte im Blut unverändert. Genauer gesagt schließen Laborbefund, durch die die Beschwerden erklärt werden könnten, die Diagnose Fibromyalgie sogar aus. Aus diesem Grund ist auch eine Behandlung mit entzündungshemmenden, oft kortisonhaltigen Medikamenten nicht angezeigt und wirkungslos.

Teilweise wird die Erkrankung als generalisierter Weichteilrheumatismus bezeichnet, eine wichtige Differentialdiagnose ist außerdem die rheumatoide Arthritis. Zur Behandlung der Fibromyalgie kommen üblicherweise neben einer Schmerztherapie oft auch psychotherapeutische Verfahren, Bewegungstherapie oder auch Ernährungsberatung zum Einsatz. Und obwohl die eigentliche Ursache der Erkrankung derzeit noch nicht geklärt ist, geht man davon aus, dass das Vorhandensein von Fibromyalgie in der Familie die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöht.

Individuelle Behandlung

Gerade bei Krankheitsbildern, die sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich äußern, kommt es auf eine individuelle, patientenorientierte Therapie an. Da es sich bei der Fibromyalgie um eine sogenannte funktionelle Erkrankung handelt, bei der keine organischen Veränderungen als Auslöser zu ermitteln sind, bietet sich insbesondere die Homöopathie zur Behandlung an. Standardrezepturen jedoch sind nicht angebracht, vielmehr müssen sowohl das Mittel als auch die Potenzstufe der Arznei und die Einnahme gezielt auf den Patienten abgestimmt werden. Im Mittelpunkt steht daher immer eine ausführliche Anamnese, bei der neben den Schmerzsymptomen auch allgemeine Aspekte wie Schlafhygiene, Verdauung usw. besprochen werden. Da bei betroffenen Frauen häufig auch Regelschmerzen und sonstige Menstruationsstörungen auftreten, müssen auch diese Faktoren bei der Mittelwahl berücksichtigt werden.

Von besonderem Interesse sind auch die Umstände, durch die sich die Zustände verbessern oder verschlimmern. Auch die Tageszeit, zu der die Schmerzen oder sonstigen Beschwerden zunehmen, ist von Bedeutung. Diese Daten geben wichtige Hinweise auf die Regulationsstörungen im Organismus, die durch das homöopathische Arzneimittel beseitigt werden sollen. Schließlich sollen durch das Mittel die Symptome nicht unterdrückt werden, sondern der Körper soll als Reaktion auf den Heilreiz der Arznei die zugrunde liegende Störung aufheben.

Darüber hinaus ist bei der homöopathischen Behandlung der Fibromyalgie immer auch die psychische Verfassung zu berücksichtigen. Denn einerseits gibt es Hinweise darauf, dass sich die Symptome nach einem körperlichen oder seelischen Trauma entwickeln können, andererseits kommt es im Zuge der Krankheit häufig zu Angststörungen, depressiven Verstimmungen oder auch Zwangsstörungen, die für die Betroffenen ebenfalls eine große Belastung darstellen. Auch diese Störungen kennzeichnen das individuelle Krankheitsbild und müssen sorgfältig untersucht und differenziert werden.

Manche Krankheitsfälle sind erstmals nach einer medizinisch behandelten Vorerkrankung oder aber nach einer Operation aufgetreten. Eine ausführliche Aufnahme der Vorgeschichte kann hier Hinweise auf den Entwicklungsprozess der Regulationsstörungen und damit auch auf die homöopathische Behandlung geben.

Studie belegt Wirksamkeit

Immer häufiger wird die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien auch unter schulmedizinischen Gesichtspunkten untersucht. Dabei hat sich die Methode schon bei zahlreichen Erkrankungen wie verschiedenen Infektionen, rheumatischen Krankheiten, aber auch bei psychischen Störungen als hilfreich erwiesen. Auch für die Fibromyalgie liegen bereits Studien vor. So konnte in einer Doppelblindstudie an 62 Patienten mit ärztlich bestätigter Fibromyalgie eine Therapie mit individuell ausgewählten Einzelmitteln deutliche Verbesserungen erzielen. Als Kriterien wurden insbesondere die sogenannten Tenderpoints bewertet. Im Verlauf der Studie erhielt eine Gruppe ausschließlich nichtarzneiliche Stoffe, also ein Plazebo, die andere Gruppe wurde mit Homöopathika behandelt, die nach klassischen Regeln ausgewählt wurden.

Im Verlauf der Studie kam es bei der homöopathisch behandelten Gruppe zu einer deutlichen Besserung der Schmerzhaftigkeit an den Tenderpoints, darüber hinaus besserten sich sowohl Allgemeinbefinden als auch Lebensqualität der Patienten im Vergleich zur Plazebogruppe. Außerdem nahm auch die Neigung zu Depressionen ab.

Ein weiterer, gerade auch für ältere Menschen sehr wichtiger Vorteil der Homöopathie liegt darin, dass unter der homöopathischen Behandlung oftmals Schmerzmittel oder sonstige Präparate deutlich reduziert, in vielen Fällen sogar ganz abgesetzt werden können. Unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen, die bei Älteren gehäuft auftreten, können damit vermieden werden.

One comment
  • Omer Kasula
    Posted on Dezember 8, 2020 at 7:36 am

    i like this very appropriate post

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