Samuel Hahnemann stand vielen Therapieverfahren seiner Zeit ablehnend gegenüber. Kein Wunder, denn mit unzähligen Aderlässen, Blutegelanwendungen und Schröpfkuren ließen die Ärzte gegen Ende des 18. Jahrhunderts ihre Patienten oft regelrecht ausbluten. Daneben verordneten sie Arzneimixturen mit unzähligen Inhaltsstoffen, deren Neben- und Wechselwirkungen unabsehbar waren. Auch die Akupunktur war Hahnemann ein Dorn im Auge, und so ist die Therapie mit Nadeln noch heute für viele Homöopathen mit ihrer Methode unvereinbar. Dabei können sich beide Verfahren hervorragend ergänzen.

Die Akupunktur zählt zu den ältesten Behandlungsformen. Dieser jahrtausendealte Erfahrungsschatz kann auch für andere Therapieverfahren von großem Nutzen sein.

Im Vorwort seines Grundlagenwerkes zur Homöopathie, dem Organon der Heilkunst, erwähnt Dr. Hahnemann die Akupunktur gemeinsam mit anderen “antagonistischen Reizmitteln”. Diese wurden von Ärzten eingesetzt, um künstliche Entzündungen, Eiterungen oder Geschwüre herbeizuführen. Durch Canthariden-Pflaster, Meerrettich- oder Senf-Auflagen oder auch glühende Eisen sollten dem Körper “Reizstoffe” entzogen werden, die ihn krank machen. Entgiftungsverfahren waren groß in Mode, und das Ausleiten von Giften galt als therapeutisches Ziel. Was hat aber die Akupunktur mit diesen Methoden zu tun?

Bei der Akupunktur, die ihre Wurzeln im alten China hat, werden feine Metallnadeln in die Haut gestochen, um den Fluss der Lebensenergie zu harmonisieren. Die Technik wird seit über 6.000 Jahren angewendet und kann sowohl bei akuten als auch chronischen Krankheiten hilfreich sein. Vor der Therapie versucht der Behandler, die Störung im Körper exakt zu lokalisieren und anschließend gezielt zu beseitigen.

Zu Hahnemanns Zeiten wurde die Akupunktur jedoch nach anderen Gesichtspunkten angewendet. Grund dafür war die schlechte Ausbildung der Ärzte, die vorwiegend auf mündliche Überlieferungen über die Methode zurückgreifen mussten. Die erste medizinische Beschreibung stammt von dem niederländischen Arzt Willem ten Rhijne (1647 – 1700), allerdings dauerte es bis ins 19. Jahrhundert, bis einige Schriften aus dem Chinesischen übersetzt wurden.

Bis dahin hatten die Ärzte versucht, die chinesische Akupunkturlehre mit ihrem Krankheitsverständnis in Einklang zu bringen. Und so wurden die Nadeln in den Körper gestochen, um schädliche Substanzen auszuleiten. Somit ist es nicht erstaunlich, dass Hahnemann die Methode ebenso scharf kritisierte wie die anderen Verfahren.

Zwei Therapien – ein Ziel

Unter heutigen Gesichtspunkten zeigt sich, dass beide Therapien große Ähnlichkeiten besitzen. Auch die Homöopathie basiert auf dem Prinzip einer Lebensenergie. Anders als bei der Akupunktur soll hier jedoch das Homöopathikum die “geistartige” Lebenskraft regulieren. Derselbe Ansatz also, allerdings mit unterschiedlichen Mitteln.

Mit der Entdeckung, dass potenzierte Arzneien auch über die Haut angewendet werden können, eröffnete Hahnemann seinen Nachfolgern schließlich völlig neue Möglichkeiten der Therapie. Später konnte Dr. August Weihe (1840 – 1896), Arzt und Homöopath aus Herford, einen Zusammenhang zwischen homöopathischen Mitteln und spezifischen Punkten an der Körperoberfläche herstellen – und somit beide Methoden miteinander verbinden.

Die Similapunktur bildet eine neue Synthese aus Homöopathie und Akupunktur. Dabei werden individuell gewählte Heilmittel in spezifischen Potenzen direkt an Akupunkturpunkten angewendet. Anders als bei der sogenannten Homösiniatrie (auch als Homöo-Akupunktur bezeichnet), werden die Mittel jedoch nicht injiziert, sondern oberflächlich aufgetragen. Zuvor wird der Akupunkturpunkt gezielt stimuliert. Somit ist die Methode auch für die Behandlung von Kleinkindern und sensiblen Patienten geeignet.

One comment
  • Mack Soong
    Posted on Dezember 8, 2020 at 7:36 am

    i like this wonderful article

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