Ein Koffeinkick und homöopathische Mittel, das passt nicht zusammen. Sagen viele. Und tatsächlich finden sich in der Literatur zahlreiche Hinweise über negative Wirkungen von Kaffee auf die Wirksamkeit potenzierter Arzneien. Dennoch gehen die Meinungen darüber weit auseinander.

Grundsätzlich zählt Kaffee seit Jahren zu den beliebtesten Heißgetränken. Rund um den Globus starten viele Menschen mit dem Muntermacher in den Tag. Oder sie bringen in der Mittagspause ihren Kreislauf mit einer Tasse Espresso, Latte macchiato oder Cappuccino in Schwung. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Konsum in Deutschland bei ungefähr zwei Tassen täglich.

Bereits als Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, Anfang des 19. Jahrhunderts an der Entwicklung seiner Methode forschte, wurde die anregende Wirkung des Kaffees hoch geschätzt. Hahnemanns Geburtsstadt Meißen spielt bei der weltweiten Verbreitung der schwarzen Bohne sogar eine zentrale Rolle. Schließlich war hier der Alchemist Johann Friedrich Böttger (1682 – 1719) an der Herstellung des Porzellans in Europa maßgeblich beteiligt. Vor Böttgers Entdeckung musste das „weiße Gold“ aus China importiert werden, sodass sich nur reiche Aristokraten den Kaffeegenuss aus Tassen leisten konnten. Aus den üblichen Metallbechern war das Getränk kaum genießbar, zu stark änderte das Metall den Geschmack.

Die Porzellanmanufakturen, für die Meißen noch heute weltberühmt ist, ermöglichten es schließlich, dass auch die ärmeren sozialen Schichten in den Genuss des Kaffees kamen. Mit der industriellen Herstellung des Porzellans entstanden auch die ersten Kaffeehäuser, die im sozialen Leben eine zunehmend große Bedeutung gewannen.

Auch das familiäre Umfeld Samuel Hahnemanns war von diesen Umständen geprägt. Der eifrige Forscher wurde im Jahr 1755 als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Als Arzt beschäftigte er sich eingehend mit den Ursachen für die Entstehung von Krankheiten, und mitunter auch mit den Folgen des Kaffeekonsums.

In seiner Abhandlung „Der Kaffee in seinen Wirkungen“ (1803) beschrieb er detailliert die Veränderungen, die der Genuss des schwarzen Getränks auf Körper und Geist hervorruft. Dazu zählen beispielsweise ein beschleunigter Puls, Herzklopfen, Rötung der Wangen, Änderungen im Temperaturempfinden, vermehrte Harnausscheidung, beschleunigte Verdauungstätigkeit oder auch die gesteigerte Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit.

Hahnemann bezeichnet den Kaffee als „das wichtigste aller Getränke“, dabei aber auch als „bloß arzneiliche Substanz“. Schließlich sei der Kaffee in der Lage, bestimmte Funktionen und Vorgänge im Körper zu beeinträchtigen, ähnlich einem Arzneimittel. Er lobte einerseits die „medizinischen Kräfte des Kaffees, wenn er am rechten Ort arzneilich angewendet wird“, warnte aber gleichzeitig von dem Gebrauch als Genussmittel.

Trotz seiner medizinischen Wirkung wird Kaffee heute nur selten therapeutisch angewendet.

Über die gesundheitlichen Folgen des Kaffeekonsums wurde auch in neuerer Zeit viel geforscht. Obwohl das Getränk sowohl in der Medizin als auch in der Naturheilkunde kaum zu therapeutischen Zwecken angewendet wird, deuten einige Untersuchungen darauf hin, dass Kaffee eine vorbeugende Wirkung hat gegen verschiedene Krankheiten wie z. B. Schlaganfall, Diabetes Typ 2 oder auch möglicherweise bei Demenz. Dennoch hängt dieser Effekt oft auch von individuellen Faktoren ab, sodass Hahnemanns Erläuterungen sicherlich nicht leichtfertig ad acta gelegt werden sollten.

Gerade auch im Hinblick auf den Gebrauch des Kaffees unter homöopathischer Behandlung ist die medizinische Wirkung relevant. Denn Hahnemanns Anleitung in seinem Theoriewerk zur Homöopathie, dem Organon der Heilkunst, zufolge, dürfen unter einer homöopathischen Therapie keine arzneilich wirkenden Substanzen angewendet werden. Schließlich sollen die Heilmittel ungestört ihre Wirkung entfalten können.

Cup of Coffee

Muss ein Patient auf Kaffee verzichten?

Streng genommen: ja. Dennoch gibt es auch hier einige Punkte, die man berücksichtigen sollte. Einerseits fällt es vielen Patienten schwer, auf den gewohnten Koffeinkick zu verzichten. Ein striktes Kaffeeverbot kann den Therapieverlauf daher negativ beeinflussen. Zudem können bei abruptem Absetzen des Koffeingetränks sogar Entzugserscheinungen auftreten wie innere Unruhezustände, Abgeschlagenheit und insbesondere auch Kopfschmerzen. Diese sind jedoch selten und können durch schrittweise Reduzierung vermieden werden. Letztlich sollten bei Anleitungen zur Ernährung und zur allgemeinen Lebensweise immer auch diese individuellen Aspekte eine Rolle spielen.

Ein weiterer, für viele Homöopathen noch wichtigerer Punkt ist die sogenannte Antidotwirkung des Kaffees auf homöopathische Arzneien. Als Antidot wird eine Substanz bezeichnet, die ein Gift (oder die Wirkung eines anderen Stoffes) im Körper unschädlich macht oder neutralisiert. So wird in der Homöopathie immer wieder behauptet, dass die Mittel nicht wirken, wenn der Patient Kaffee trinkt.

Allerdings gibt es hierüber in der Literatur sehr unterschiedliche Auffassungen. Sicherlich kann jeder Homöopath von Patienten berichten, die er erfolgreich behandeln konnte, obwohl sie unter der Therapie ihren Kaffee zu sich nahmen. Andererseits werden auch Fälle erwähnt, bei denen das Mittel erst wirken konnte, nachdem das Getränk abgesetzt wurde. Grundsätzlich dürfte es anzuraten sein, das Homöopathikum nicht gleichzeitig mit dem Kaffee zu sich zu nehmen.

Bekannt ist eine antidotierende Wirkung von Kaffee insbesondere auf Belladonna, Chamomilla, Colocynthis, Lycopodium oder auch Nux vomica. Unter einer Behandlung mit diesen Mitteln sollte der Kaffeegenuss zumindest kurzfristig eingeschränkt, im Zweifelsfall sogar ganz aufgehoben werden. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Mittel, auf die Kaffee eine Antidotwirkung haben soll. Allerdings ist nicht immer angegeben, ob diese antidotierende Wirkung tatsächlich auf Kaffee in Form des Aufgusses oder vielmehr auf das homöopathische Mittel Coffea cruda, also die homöopathische Zubereitung der Kaffeebohne, zurückgeht.

Nicht zweifelsfrei geklärt ist auch, auf welchen Mechanismen die Antidotwirkung des Kaffees beruht. Als Hauptwirkstoff des Kaffees gilt das Koffein, dem insbesondere auch die anregenden Effekte zugeschrieben werden. Untersuchungen, ob entkoffeinierter Kaffee eine antidotierende Wirkung besitzt, liegen derzeit noch nicht vor. Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch, ob andere koffeinhaltige Lebensmittel wie Cola, aber auch grüner oder schwarzer Tee, homöopathische Mittel beeinträchtigen.

Auch die Frage, ob diese Wirkung mengenabhängig ist, lässt sich nicht abschließend beantworten. Hier könnte die Empfindlichkeit des Patienten ausschlaggebend für die Therapierichtlinien sein. Denn während manche bereits bei einer kleinen Tasse Kaffee eine heftige Wirkung verspüren, können andere problemlos mehrere Tassen am Tag trinken. Es scheint also ratsam, dass Patienten, die empfindlich reagieren, den Kaffee nur in geringen Mengen zu sich nehmen.

Es gibt also noch viele offene Fragen, die im Hinblick auf den Bezug von Kaffee zu homöopathischen Arzneien geklärt werden sollten. Pauschale Aussagen lassen sich dazu nicht treffen – ganz im Sinne der individuellen Betrachtungsweise, die in der Homöopathie stets oberste Priorität besitzt.

One comment
  • Blair Biggs
    Posted on Dezember 8, 2020 at 7:36 am

    i love this finest article

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